Samstag, 29. Mai 2010

Meine Stärke

Schon als Kind war ich mollig. Nicht dick, aber kräftig. Und irgendwann, ich war etwa 11 oder 12 Jahre alt, reichte es mir und ich nahm ab. Einfach so. Weil ich es wollte. Meine ganze Familie ist (bis auf meinen jüngsten Bruder) übergewichtig. Manche mehr, manche weniger, aber Idealgewicht hat keiner. Und das liegt nicht an irgendwelchen Krankheiten, wir essen nur zu viel. Damals auch schon.

Ich hatte also einfach beschlossen abzunehmen und: Ich tat es. Ich wusste was ich wollte und ich zog es durch. Allein. Mit 11. Wenn wir abends gemeinsam vor dem Fernseher saßen und die anderen Schokolade und Fruchtgummis naschten, griff ich zum Apfel. Ich frühstückte normal. Ich aß mittags meine Portion und abends dann nur noch Obst. So einfach war das. Es interessierte mich nicht, dass alle anderen mehr aßen, dass da Schokolade lag, dass sie sich abends noch Brote machten. Ich zog mein Ding durch. Es war nicht schwer. Bis auf diesen einen Abend. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Es war Wochenende und meine Mutter hatte abends noch Pizza gemacht. Es roch so gut, dass ich fürchtete doch schwach zu werden, weshalb ich mich gar nicht erst an den Esstisch zu den anderen setzte. Auf einmal war es schwer und ich begann zu weinen. Ich war so verwirrt, es war das erste Mal seit Wochen, dass ich mit mir selbst ringen musste. Meine Mutter nahm mir die Entscheidung ab. Sie setzte mich zu ihnen an den Tisch und gab mir ein kleines Stück Pizza. Danach war alles wieder gut. Das war der einzige Augenblick, in dem es mir schwer gefallen war. Danach ging alles so weiter wie bisher. Monatelang verzichtete ich, während die anderen aßen. Sie waren stolz auf mich, sie lobten mich, sie bewunderten mich, sie unterstützen mich. Aber meine Disziplin besaßen sie nicht.

An der Kommunion meines Bruders war ich dann schlank. Nicht dürr, sondern genau richtig. Ich hatte zu dem Anlass einen hübschen Rock mit passendem Jackett bekommen. Mit meinen fast 13 Jahren bekam ich auch  schon eine fraulichere Figur. Etwas Taille. Ich bekam so viele Komplimente, aß nach Herzenslust und wusste, dass es sich gelohnt hatte.

Wenn ich jetzt daran zurückdenke wie ich damals, als junges Mädchen, meine Ziele erreichte, frage ich mich, wieso es mir in den letzten Jahren so schwer gefallen ist. Aber jetzt ist sie wieder da. Diese Stärke von damals. Es fällt mir nicht schwer. Ich weiß genau was ich tun muss und daran halte ich mich einfach. Ich weiß mit solch unerschütterlicher Sicherheit, dass es mir gelingen wird, dass ein Scheitern gar nicht Betracht gezogen wird.

4 Kommentare:

  1. Ich hatte auch eine Phase, da wollte ich und alles ging glatt mit der Abnehmerei. Wow, war ich stolz! Da stimmte aber auch der Rest im Leben. Sobald bei mir etwas aus dem Ruder läuft oder ich Stress habe, verfalle ich gerne in alte Muster. :-/ Nicht nur beim Essen übrigens.

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  2. Mir gefällt Deine Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber - schonungslos & reflektiert. Ich drück Dir die Daumen, dass Du Dein Mittelmaß für Dich findest, dass Du in der Zukunft auch beibehalten kannst ;)

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  3. Es ist tatsächlich erstaunlich, woher Motivation kommen kann. Ich kann auch nicht immer erklären, warum ich manchmal wochenlang "Nein" sagen kann und dann wieder zwei Wochen folgen, in denen ich alles in mich hinein schlinge möchte. Ich drücke dir auf jeden Fall fest die Daumen, dass du dein Ziel erreichst und dich dafür nicht quälen musst, weil deine Überzeugung unerschütterlich ist :).

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  4. wow, du hast meine Bewunderung!! ich könnte so etwas nie im Leben (abgesehen davon, dass ich nicht abnehmen bräuchte...). 7 Wochen ohne Schokolade war damals der Horror.
    Ich wünsche dir, dass du diese Stärke beibehalten kannst ;)

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